Als wir uns im Frühling dieses Jahres auf die Suche nach den ehemaligen Asral-and Kindern machten, stiessen wir auch wieder auf Enhmaa. Ihre ältere Schwester lebte mittlerweile mit der Mutter und einem neuen Stiefvater im Hentii Aimag. Das Mädchen machte einen relativ verwahrlosten Eindruck und hatte erhebliche Hörprobleme. Bayasgalant organisierte Arzttermine und daraufhin konnte im November die dringend empfohlene Operation durchgeführt werden. Alex wurde von den Ärzten auf den gesundheitlich eher bedenklichen Zustand des Mädchens aufmerksam gemacht. Enhmaa schien auch bei ihren Verwandten wieder unter Gewalt zu leiden.
Alex setzte danach alle Hebel in Bewegung um Enhmaa so schnell wie möglich aus dem Haus der Verwandten wegzubringen. Er machte ihre Mutter auf dem Land ausfindig, telefonierte mit der Familie und versuchte mehr über die Lebensumstände herauszufinden. Die Auskünfte stimmten zuversichtlich. Die Mutter und der neue Mann hüten Schafherden von Nomaden und verdienen so ein klein wenig Geld. Die ältere Schwester sorgt sich um den Haushalt. Sie und ihre Mutter vermissten Enhmaa sehr, sagten sie und auf einen Besuch würden sie sich sehr freuen. Alex hatte bereits im Kopf Enhmaa, so fern es die Umstände zuliessen, bei ihrer Mutter zu lassen. Damit das Kind aber nicht vom Regen in die Traufe gerät, wollte er sich zuerst selbst von den Umständen, und vor allem vom neuen Stiefvater, überzeugen. Mehr Gewalt durch einen neuen Mann sollte Enhmaa auf keinen Fall zugemutet werden. Zeitgleich nahm Alex auch mit einem Heim in Ulan Bator Kontakt auf, welches sich um missbrauchte Mädchen kümmert. Dieses Heim würde Enhmaa vorübergehend aufnehmen und betreuen, falls der Plan mit der Familie scheitern würde. Unter grossem Protest der Tante holte Alex Enhmaa dann an einem verschneiten Dezember morgen ab. Zusammen mit Übersetzerin und Fahrer machten sie sich auf den Weg nach Hinti Aimag. Das Mädchen freute sich sehr und war die ganze Fahrt über ganz still vor lauter Aufregung ihre Familie endlich wieder zu sehen.
Enhmaa wusste immer noch nicht, dass sie, falls alle positiven Zeichen bestätigt wurden, bei ihrer Mutter bleiben konnte. Die Enttäuschung wäre zu gross gewesen, die Überraschung danach dafür umso schöner.
Um der Familie längerfristig zu helfen kam Alex auf die Idee ihnen im Frühling junge Ziegen und Schafe zu kaufen. So könnten sie mit der Zeit ihre eigene Herde gründen und von diesen Tiere leben. So gehört zum Aufgabenbereich der Bayasgalant Mitarbeiter nun auch herauszufinden, wann und wo man am besten junge Ziegen und Schafe kauft.
Die Bayasgalant Kinder zu betreuen heisst also viel mehr, als man sich darunter vorstellen könnte…beim nächsten Besuch bei der Familie werden also ganz neue Herausforderungen anstehen.
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